Erlebnisbericht: F.C. Sankt Politik gegen Hansa Rostock (Teil 3)

Nach einer Trennung der anstürmenden Hansafans waren es so circa 500 Leute die gleichzeitig in das Stadion wollten. Und wie ich bereits geschrieben habe auf einen so kleinen Eingang. Die Ordnungskräfte und die Polizei waren sichtlich mit der Lage überfordert und wurden sprichwörtlich überrollt. Die provisorisch aufgebauten Wellenbrecher platzten förmlich aus ihren nähten. Es bat sich ein Bild auf, welches einer sprießenden Knospe entsprach. Da die Ordner versuchten die Masse in diesen zwei kleinen Durchgangsmöglichkeiten zu belassen wurden auch einige Faustkämpfe gesichtet. Die gingen mehr oder weniger auf das Punktekonto der Rostocker Fraktion. Unglaublich…ich sah blutige Nasen, Cuts über den Augen, dreckige Klamotten und tollwütige Ordner. Nachdem der erste Schwung ohne Kontrolle ins Stadion gelang kam die Staatsmacht aus dem Stadion auf den Plan. Sie schlugen auf alles ein was ihnen in den Weg kam und das war bekanntlicherweise alles, da ja von hinten auch immer wieder gedrückt worden ist. Dann schafften sie doch das was sie die ganze Zeit versucht hatten. Das Tor war zu und wurde mit einer Kette, wie im wilden Westen, verriegelt. Es dauerte eine ganze Weile bis dieses wieder geöffnet wurde, da Ordner und Polizei im Eingangsbereich im Stadion erst einmal für „Ruhe“ und „Ordnung“ sorgen mussten. Paaahhhhh…das ich nicht lache. Es ist doch nicht zu fassen, das so ein Verein alles durchbekommt. Man muss sich überlegen das, dass ein hochbrisantes Sicherheitsspiel der Kategorie G8 war und St.Pauli hält es nicht für nötig ein durchdachtes Konzept an den Tag zu legen, denn so eines war in diesen Stunden nicht zu erkennen. Nichts für ungut…die Leute konnten dann letztendlich doch ins Stadion und sammelten sich im unteren Bereich des Gästeblockes. Fahnen, Banner, Doppler und andere Fanutensilien waren natürlich aus Sicherheitsbedenken verboten worden. Denkste…war doch alles da. Einwandfrei, doch noch ein kleiner Sieg an diesem Tag. Trommel angezwiebelt, Fahnen aufgehangen und los konnte es gehen. Nach einer Ansage unseres DaCapo, das rechtsradikales Gedankengut nicht geduldet wird und es zu unterlassen ist das „U-Bahn-Lied“ zu singen, peitschten wir die Mannschaft mit aller Kraft an. Zum Intro auf unserer Seite gab es die bekannten Scheiß St.Pauli Schals, welches auch sehr gutes Bild abgab. Auf der gegenüberliegenden Seite, hat USP auf unsere Hinspiel Choreographie geantwortet und zeigte uns das wirkliche Abstiegsgespenst. Wie in Teil 1 meiner „Kolumne“ beschrieben traten nun nacheinander die Tapete in Augenschein. Nach sage und schreibe 5 Minuten stand es für unsere Kogge 0:2 durch Myntti und Bartels. So einen Torjubel habe ich seit Jahren nicht mehr erlebt. Überschwängliche Freude in jeder Ecke des Blockes. In den ersten Minuten wurden dann auch die verbotenen Tapeten entrollt auf denen stand: „Frutti del die Mare per Sempre“(in Anspielung auf die, unendlich lange und dazu noch auf italienisch übersetzte, Tapetenaktion der Paulianer warum sie denn nicht mehr beim Mondialli Antirazzisti mitmachen), „Lieber mit der Kogge in Seenot, als auf der Alster mit nem Treetboot“, sowie „Den femininen Muschipups Salonfähig machen“. Danach dann nichts weiter spektakuläres auf beiden Seiten des Stadions. Mit einlaufen Mannschaften zur zweiten Halbzeit erbot sich mir dann doch ein recht feuriges und heißes Bild. Ungefähr 1.312 Fackeln wurden von irgendwelchen „Schwachköpfen“ entzündet und sorgten damit für die ultimativen Randale. Komisch….das Wort hab ich bestimmt jetzt schon 100mal benutzt…aber verletzt wurde niemand. In anderen Städten und Ländern ist das eine südländische Atmosphäre. Während der Fackeln im Sturm präsentierte man noch ein Transparent mit der Aufschrift „Hansa Hooligans“. Die Krieger die es hochgehalten haben erhielten im übrigen ein Stadionverbot. Einfach unverständlich…auf der einen Seite darf man sich als Rassist beschimpfen lassen und auf der anderen Seite darf man nicht ironisch sein eigenes, durch andere auferlegtes Klischee bedienen. Einfach nur erbärmlich. Diejenigen die es betrifft…ich bzw. wir denken an euch genau wie an die anderen SV’ler. Ihr seit immer bei uns…Extrawurst gegen Stadionverbote!

Nun ja das Blatt drehte sich dann noch und unsere mit Pantoffeln spielende Kindergartengruppe 1 verlor mit 3:2. Ich war am Boden zerstört. Doch nicht bei einem so wichtigen Spiel…kotz!

Pflegen wir doch jetzt einen altbekannten Spruch: „Vor dem Spiel, ist nach dem Spiel!“ Von der Polizei eingekesselt und mit irgendwelchen bekloppten durchsagen von so einem Deeskalationsteam der Polizei zugedröhnt wartete man darauf das man das GO erhält zum U-Bahnhof zu gelangen. Währenddessen einige die Zeit mit in die Ecke schiffen und rauchen verbrachten, schaute sich der aktive Teil der Szene um und erspähte direkt neben dem Gästeblock eine kleine Gruppe die bereitsauf dem Weg Steine sammelten. Gemacht haben sie letztendlich nichts, aber die Augen auf behalten sollte man trotzdem weiter. Da jemand vorgedrungen war und geschaut hat was uns an der U-Bahn erwarten sollte, wussten wir bereits im Vorfeld das wir nicht warten mussten weil die Entlastungs-U-Bahn noch nicht da war, sondern weil sich bereits knapp 400 Antifa Leute in der Nähe aufhielten. Dann der Startschuss in Richtung Haltestelle. Dann der erste Schuss…nein kein richtiger Schuss, aber ein explodierender Böller. Danach musste man die Augen wirklich gen Himmel richten, weil wohl alle möglichen Sachen die den Paulianern in die Hände gefallen sind, auf uns geworfen wurden. Nach einem erneuten Schlagabtausch mit der Polizei, die nun wirklich viel zu tun bekam erreichte wir den Untergrund. Einen wirklichen Kontakt konnte ich nicht feststellen. Im Nachhinein ging wohl alles auf die Polizei. Jedem das was ihm gebührt…ich für meine Person bewegte mich weiter zur Untergrundbahn, wie auch die anderen Hansa Hooligans. Am Hauptbahnhof erdachte ich mir eine ähnliche Polizeipräsenz wie beim erreichen dessen ein paar Stunden zuvor. Aber es war wirklich entspannt und man konnte sich auch noch mit Fressalien eindecken. Ohne weitere Vorkommnisse fuhr dann der Zug los. Auf der Heimfahrt verarbeitete jeder einzelne diese Niederlage im Stadion für sich. Die einen plauschten über die derzeitige und zukünftige Situation im Verein. Die anderen wider rum über das was drumherum geschah. Andere kauerten in den Sitzschalen der Bahn und düsten einfach nur vor sich herum. Ich musste leider in sehr viele leere Augen schauen…die verzweifelt das unausweichliche dieser jetzigen sportlichen Situation wiederspiegeln.

Mit Garantie habe ich einiges vergessen…was allerdings auch nicht anders zu erwarten ist, wenn man bedenkt wie langsam der Alte schon wieder war. Mein absoluter Rekord…!

Bilder wie immer unter SVERINer und Suptras Rostock

Dem Untergang geweihte Grüße eure Extrawurst

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7 Antworten to “Erlebnisbericht: F.C. Sankt Politik gegen Hansa Rostock (Teil 3)”

  1. MacchiaMan Says:

    Schöner Bericht, Daumen hoch!

  2. Endlich kann ich mit der Meeresfrüchte-Tapete etwas anfangen.
    Haste wieder fein gemacht, HDGDL. (USA) 😉

  3. Bester Erlebnisbericht von allen! Klasse! Gruß

  4. romanmoeller Says:

    „Lieber mit der Kogge in Seenot, als auf der Alster mit nem Treetboot“

    Dem stimme ich zu! 😀

    Sehr gut geschrieben – wie immer!!

  5. auf welcher Grundlage wurde das SV für die Leute mit dem Banner ausgesprochen

  6. Danke… geiler Bericht ein „krieger“ trauert

  7. Unendlich pseudo-eloquent geschrieben, ich mach mir in die Hose haha. „Am Hauptbahnhof erdachte ich mir“ haha, wie scheiße!

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