Erlebnisbericht: Spvgg Greuther Fürth gegen Hansa Rostock

Tach gesagt! Kurz und Knackig…meine Hände haben das Spiel unserer Hanseaten in Fürth nicht ganz unbeschadet überstanden. Daher ist der heutige Bericht von einem sehr guten Weggefährten meinerseits geschrieben und stellt den Gründonnerstag wahrhaftig traumhaft dar. Überzeugt euch selbst…ich gebe euch mein Wort, Gänsehaut pur. Viel Spaß beim lesen…

Anlässlich des ersten Auswärtssieges der laufenden Saison ist es mir Ehre und Vergnügen, heute mal meinen Senf zur Extrawurst dazuzugeben.

Es ist Grün-Donnerstag, kurz vor 20:00 Uhr. Ich stehe in der Fürther „Blähmobil-Arena“ ganz unten auf der Gegentribüne und sehe die Hansaspieler an mir vorbei zum Gästeblock gehen, um gemeinsam mit den Fans einen unerwarteten, aber umso schöneren Sieg zu feiern. Lange waren mir die Spieler nicht mehr so nah, und das nicht nur räumlich. Während hinter der Haupttribüne die Sonne untergeht, lasse ich in Gedanken noch einmal den Tag Revue passieren (Horst Hrubesch hätte jetzt gesagt: Paroli laufen.):

Aufgrund des bevorstehenden Osterfestes war mit überfüllten Autobahnen zu rechnen, so dass wir bereits um 7:30 Uhr aufbrachen. Dies hatte den entscheidenden Vorteil, dass wir endlich mal vor Ende der Frühstückszeit ein Restaurant mit dem goldenen M erreichten. Ich sage nur eins: Nichts ist leckerer als die Griddles in ihren verschiedenen Variationen, ein wahres Gedicht. Allerdings wundert man sich jetzt auch nicht mehr über Millionen übergewichtiger Amis – Super size me!

Für eine kleine Stärkung mit richtigem Essen hatten wir dann einen kleinen Biergarten in Stadionnähe auserwählt. Bereits bei früheren Spielen am Ronhof war der eine oder andere von uns schon dort zu Gast, also steuerten wir zielstrebig das Etablissement mit dem verheißungsvollen Namen „Ruine“ in der Erlanger Straße an, wo uns ein Musterbeispiel fränkischer Gastlichkeit erwartete. Dies begann schon an der Eingangstür, wo zwei Schilder in trauter Harmonie klebten. Auf dem einen stand „Heute geschlossene Gesellschaft“, das andere versprach „Biergarten geöffnet“. Ein sanfter Druck auf die Klinke, die Tür gab knarrend nach und wir betraten vorsichtig und nach allen Seiten sichernd den dunklen Gastraum. Am Tresen saß ein älterer Herr mit grünem Trikot und meinte „Geht’s ruhig nach hinten durch“, was wir dann auch taten. Im Hof erblickten wir dann tatsächlich den versprochenen Biergarten und nahmen in einer gemütlichen Ecke Platz.

Was konnte es schöneres geben – zwei Stunden im Biergarten an einem warmen Frühlingstag, dazu frisch gezapftes Bier und leckere fränkische Hausmannskost, man konnte glatt vergessen, dass man im Freistaat zu Gast war. Aber dann kam sie – Ausgeburt des Frohsinns und der Gastfreundschaft, eigentlich eine ganz hübsche Person, aber der Blick ihrer eiskalten Augen verhieß nichts Gutes. „Was wollt ihr trinken?“ fragte sie. Natürlich fragte ich erst mal, ob es in dem Lokal das weit über die fränkischen Grenzen hinaus berühmte Kitzmann-Bier gäbe. Gab es leider nicht, aber Kulmbacher tut es ja notfalls auch. Die Frage meiner Mitreisenden nach weiteren Biersorten brachte schon den Blutkreislauf in Wallung, aber noch hatte sich die Dame unter Kontrolle. Schnell waren drei Kulmbacher und ein Alster (Woas is jetz des? Ach, a Radler.) bestellt, da brachte Eike – unser Quoten-Rostocker das Fass zum Überlaufen, als er ein großes Becks bestellte. Dass es davon nur eine (kleine) Flaschengröße gab, konnte er nicht wissen, Madame hatte nun aber genug von der mangelnden Entschlusskraft der Saubuam, der preissischen und sprach: „Ich hole jetzt die Getränkekarte. Herrschaftszeit’n!“ Sakra – das hatte gesessen!

In der Zwischenzeit hatte unser letzter Reisegefährte seine Extrawurst in Formel 1-Tempo weggebracht und ebenfalls Platz genommen, als Madame die Getränkekarte brachte. Mit ihrem hölzernen Einband strahlte diese eine solche Herzlichkeit aus, dass ich vor Rührung fast geweint hätte. Schnell schauten wir einmal über das Getränkeangebot und bestellten dann – wie überraschend: Drei Kulmbacher (groß), ein Als… – äh: Radler (Mensch Claudi, konzentrier dich doch mal) und einmal Mönchshof Dunkel, Eike wollte eben unbedingt sein großes Bier haben. Nur Stefan musste natürlich aus der Reihe tanzen, indem er nichts zu Trinken bestellte. Hah, aber so hatten wir nicht gewettet. Einfach nur da sitzen und den anderen Gästen (ach nee, wir waren ja die einzigen) den Sauerstoff wegatmen – das geht aber nicht. Und so gab es den ersten Platzverweis des Tages.

Etwas später bestaunten wir noch kurz die eigens für uns gedruckte Speisekarte, dass wir dann aber plötzlich keinen Hunger mehr hatten, konnte die gute Service-Fachkraft nun gar nicht mehr verstehen – undankbares Zonenpack. Leider werden wir nun wohl auch nie erfahren, was sich hinter den geheimnisvollen „Wursthappen mit Musik“ verbirgt, denn nachdem alle passend gezahlt hatten, verließen wir diesen ungastlichen Ort.

Auferstanden aus der Ruine gingen wir zum Stadion, wo wir erst mal eine äußerst leckere Pizza verspeisten und dem Eintreffen der knapp 1000 zum Spiel angereisten Hanseaten aus allen Himmelsrichtungen zusahen. Für Begeisterung bereits vor dem Spiel sorgte ein aus Chemnitz angereister Herr, der in kompletter CFC-Montur (Trikot und gefühlte 50 Schals) doch allen Ernstes in den Gästeblock wollte. Die Frage, ob er sich verirrt hätte, konterte er cool mit den Worten: „Mior missn doch’n Osdn unnorschdüdsn.“ Autsch! Wenigstens sein Trikot hat er dann doch noch vor dem Spiel weggebracht, allerdings verlor sich seine Spur danach und er ward während des Spieles nicht mehr gesehen.

Ich hatte für dieses Spiel Sitzplatzkarten auf der Gegentribüne erhalten, erfreulicherweise unmittelbar neben dem Gästeblock. In meiner Umgebung saßen noch ein paar weitere Hansafans, so dass ich mich nicht einsam fühlen musste. Es war recht ruhig, viele Plätze waren leer, so dass ich mich auf einen gemütlichen Fußballabend einrichtete – fast wie vor der Glotze. Aber dann, 15 Minuten vor dem Anpfiff, als ich gerade die Füße auf den Sitz vor mir legen wollte, brach das Inferno über die friedliche Tribüne herein. Dutzende Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren überfluteten lärmend die Reihen und ergossen sich wie die Babys in Shrek III (die Alptraumszene) auf die Stühle. Von nun an war es vorbei mit der Ruhe, statt Fußball zu schauen, durfte ich dem nervig-lärmenden Hin und Her der hungrig-durstigen Gören und ihrer inkontinenten Aufpasser zusehen. Ich habe jetzt noch Schließmuskelkater vom ständigen Aufstehen und Hinsetzen.

Trotz allem war es schön anzusehen, wie die Kiddies immer wieder den Rhythmus der Gesänge und Sprechchöre aus dem Gästeblock aufnahmen und mitschwangen und hüpften. Besonders angetan hatte es den Kleinen Pippi Langstrumpf, richtig rührend ein noch etwas jüngerer Knabe, der gar nicht mehr zu halten war, was ihm einen misstrauischen Blick seines Erzeugers eintrug. Aber auch das „F – C – H – wir sind immer da!“ sorgte für Zucken im noch nicht voll entwickelten Twistbein. Da lacht das alte Hansaherz – also, junge Väter, nehmt euren Nachwuchs mit ins Ostseestadion, dann werden sie schon den richtigen Weg finden. Man kann gar nicht früh genug anfangen.

Im Spiel erlebten wir wieder mal eine Hansa-Mannschaft mit zwei Gesichtern, wobei wir diesmal das Erfolgsgesicht in der zweiten Halbzeit zu sehen bekamen. Dass es zur Pause noch 0:0 stand, verdankten wir vor allem der Fürther Abschlussschwäche und der konsequent großzügigen Spielleitung durch den guten Schiedsrichter, der nach der berechtigten Verwarnung gegen Orestes gleich in der Anfangsphase nicht auf die dann folgenden Fürther Provokationen einer weiteren, dann gelb/roten Karte einging.

In der zweiten Halbzeit war Hansa dann nicht wiederzuerkennen und nach zwei grob fahrlässig vergebenen Riesenchancen durch Fillinger und Kroos gelang in der 64. Minute der erlösende Führungstreffer. Eine Befreiung der Sinne, ein Ausbruch urtümlicher Freude. Jawohl, hier geht heute was! Weitere große Hansachancen gab es nicht mehr und allmählich näherte sich das Spiel dem Ende. Sollte tatsächlich der erste Auswärtssieg der laufenden Saison gelingen? Die Nachspielzeit war angebrochen (Was – drei Minuten?!) und gemeinsam mit Sveriner-Basti, der mir in der zweiten Halbzeit Gesellschaft leistete, zitterte ich den Schlusspfiff herbei.

Es kommt, was kommen muss – Distanzschuss auf das Hansator, Hahnel lässt nach vorn abprallen, wo Allagui einschussbereit steht und sich nicht lange bitten lässt – Ausgleich! Während um uns herum alles tobt, sinken wir resignierend auf unsere Sitze, nach einem verzweifelten „Warum nur?“ geht der Blick gedankenverloren ins Leere. Auf der gegenüberliegenden Seite sehe ich verschwommen, wie einer beim Jubeln eine gelbe Fahne schwenkt. „Kennen die ihre eigenen Vereinsfarben nicht?“ denke ich kopfschüttelnd, bis ich plötzlich wieder klare Bilder sehe. Das ist der Linienrichter! Und der jubelt nicht! Nein, der zeigt Abseits an! „Abseits!“ sage ich und stoße Basti an: „Abseits! Abseeeeeeeeeeeeeiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiits!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!“ schreien wir beide und übertönen mühelos den uns umgebenden Kindergarten, der immer noch am Feiern ist. „Abseits! Ihr Penner! Auswärtssieg!“ Im Mittelfingernagel spiegelt sich die untergehende Abendsonne. Der Rest ist grenzenloser Jubel vor und hinter dem Gästezaun.

Während die Mannschaft in die Kabine geht, wird im Block weiter gefeiert. Ich nutze die ungehinderte Bewegungsmöglichkeit, gehe schon zum Parkplatz und mache dort einen auf Beckenbauer 1990 am Mittelkreis. Einfach zu schön um wahr zu sein. Der FCH ist wieder da!

Bilder wie immer unter SVERINer und Suptras Rostock

Viele Grüße euer Hanseator

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Eine Antwort to “Erlebnisbericht: Spvgg Greuther Fürth gegen Hansa Rostock”

  1. Rot-Schwarz Says:

    Die Musik beim Essen sind die Zwiebeln…. damit ihr rein kulturell auch was aus dem Scheißhaufen mitgenommen habt 😉

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